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Mein 18. November

von Frithjof Meißner (2005)
 

Vorbemerkung:

Bei der Aktion "Mein 18. November" handelt es sich um ein Projekt der Volkskundlichen Kommission für Westfalen – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – und des Seminars für Volkskunde / Europäische Ethnologie der Universität Münster. Man hat erkannt, dass oft schon nach einer Generation vergessen ist, wie der Alltag zu einer bestimmten Zeit ausgesehen hat. Also entschloss man sich, diese groß angelegte Aktion durchzuführen und möglichst viele Menschen dazu zu bringen, den 18. November 2005 aus ihrer Sicht zu schildern. Die Beiträge konnten dabei jeglicher Art sein, einzige Voraussetzungen waren:

            – Die Einsender mussten aus Westfalen sein oder dort ihren Lebensmittelpunkt haben.
            – Die Beiträge mussten zweidimensional sein, also in einen Briefumschlag passen.

Ich habe dieses Projekt von Anfang an unterstützt und auch bei den Schülern der Klasse, in der ich Klassenleiter war, dafür geworben. Die Schülerinnen und Schüler meiner Klasse beschlossen, alle mitzumachen, so dass mein Brief von 32 Schülerbriefen begleitet wurde. Hier ist zu lesen, was ich schrieb.

 

Mein Beitrag:

Frithjof Meißner
Fürst-Wenzel-Platz 2
33415 Verl-Kaunitz
Internet: www.frithjof.de

Telefon: 05246-7371
Mobil: 0172-9591968
Telefax: 05246-929385
E-Mail: meissner@iok.net


 

Frithjof Meißner Fürst-Wenzel-Platz 2 33415 Verl-Kaunitz

Mein 18. November
Scharnhorststraße 100

48151 Münster

Kaunitz, den 7. Dezember 2005

Mein 18. November


Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen. Meinen Namen, die Adresse etc. können Sie dem Briefkopf entnehmen. Hier nun noch die Daten, die zu der von Ihnen gewünschten Vorstellung meiner Person fehlen:

Ich bin männlich, wurde am 31. August 1955 in Solingen geboren, bin verheiratet, habe drei Kinder – eine Tochter (13) und zwei Söhne (19 und 24) – und bin als Studiendirektor am Evangelischen Gymnasium Werther tätig. Meine Unterrichtsfächer sind Englisch, Französisch, Italienisch und Informatik. Ich betreue an meiner Schule die internationalen Kontakte (Schüleraustausche, Comenius, längerfristige Auslandsaufenthalte, ausländische Gastschüler etc.) und bin WebMaster der Internetseite der Schule (www.egwerther.de).


Doch nun zum Ablauf des zu dokumentierenden Tages, des 18. Novembers 2005:

Ich bin Frühaufsteher, und auch an diesem Tage stand ich um etwa vier Uhr früh auf. Meine Frau blieb wie üblich im Bett liegen und schlief ruhig weiter, während ich versuchte, im Bad keinen Krach zu machen. Es wurde eine Katzenwäsche und anziehen mochte ich mich auch noch nicht, sondern warf lediglich meinen Morgenmantel über und ging nach unten in die Küche, wo unser Kleiner Münsterländer Rüde Moritz schon freudig den frühen Gast begrüßte. Er ist es gewohnt, vom ersten im Haus, der morgens nach unten kommt, vor die Tür gelassen zu werden und so schloss ich die Haustür auf, um Moritz nach draußen zu lassen.

Sie staunen? Einfach so raus lassen? Und die Autos? Nun, bei uns auf dem Dorf geht es aber schon, den Hund frei laufen zu lassen, wenn man – wie wir – nicht direkt an einer der beiden großen Landstraßen wohnt, die das Dorf wie ein Kreuz zerschneiden. Zumindest auf einer von diesen Achsen ist nämlich auch um diese frühe Morgenstunde schon Betrieb, denn die Lastwagen rauschen auf der Verbindung zwischen A2 und A33 durch unser Dorf, weil die Spediteure die Autobahnmautgebühr einsparen wollen. Eine recht große Zahl an LKWs fährt auch von den Industriegebieten in Gütersloh, Spexard und Verl West auf dem Weg zur Autobahn A33 direkt durch Kaunitz. Dabei mögen auch einige Fahrzeuge sein, die aus dem kleinen Industriegebiet kommen, das am Dorfrand von Kaunitz auf der Verl zugewandten Seite liegt.

Jedenfalls schickte ich Moritz von der Haustür aus nach links in die Wiesen in Richtung Ostwestfalenhalle und nicht nach rechts in Richtung Hauptstraße. Während ich auf die Rückkehr des Hundes wartete, machte ich mir einen Kaffee mit der vollautomatischen Kaffeemaschine, die die Bohnen für jede Tasse frisch mahlt und den Kaffee heiß und duftend aufbrüht. Ich bin leidenschaftlicher Kaffeetrinker und so wird dies eine erste Tasse in einer sehr langen Reihe von Tassen an diesem Tage sein.

Der Hund kommt zurück, rennt gleich durch in seinen Korb in der Küche und wartet auf ein Leckerli, das er verdient zu haben meint, da er so schnell und ohne meinen Pfiff von ganz alleine zurückgekommen ist. Er bekommt es und ich gehe mit meinem Kaffee in mein Arbeitszimmer und starte ich meinen Rechner, während ich mir die erste Zigarette an diesem Tage anzünde. Ich werde auch davon noch eine Menge an diesem Tage anzünden, denn ich bin leidenschaftlicher Raucher. Leider kann man sich ja heutzutage an immer weniger Orten diesem Laster hingeben, denn die Rauchverbote greifen um sich. Auch bei uns in der Schule gibt es kein Raucherzimmer mehr, ich muss zum Rauchen das Schulgelände verlassen. Das ist zwar lange noch nicht der Regelfall, denn die meisten Schulen haben noch immer ein Raucherzimmer für die Lehrer [...].

Doch zurück zu meinem morgendlichen Arbeitszimmer: Der Rechner ist gestartet und holt meine Mails ab. Es sind mal wieder jede Menge Spam-Mails im Postfach. Diese unerwünschten Werbebotschaften lösche ich und filtere die wichtigen Mails heraus. Es gibt Nachrichten von verschiedenen Comeniuspartnern [1] und eine wichtige Mail aus den USA. Ginger Denman hat geschrieben. Sie ist die Vertreterin der Partnerschaft Verl-Delphos auf amerikanischer Seite; ich bin der Präsident dieser Städtepartnerschaft, die auf die Initiative von meiner Frau und mir hin vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Hintergrund ist die Gründung der amerikanischen Kleinstadt Delphos in Ohio im Mittleren Westen der USA durch einen deutschen Pastor, Johannes Otto Bredeick, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn dieser Pastor war der Urururgroßonkel meiner Frau.

In ihrer Mail berichtet Ginger von den deutschen Schülern, die zurzeit gerade für drei oder vier Monate in Delphos sind, und sichert mir ihre volle Unterstützung für die neue Austauschsaison zu, die in diesen Tagen startet, denn ich habe schon wieder 15 Bewerbungen von Schülerinnen und Schülern meiner Schule in Werther und des Verler Gymnasiums, die ich in den nächsten Tagen nach Delphos senden werde, vorliegen. Ich antworte Ginger, wie sehr ich ihre Kooperationsbereitschaft schätze und teile ihr die Internetadresse (URL) mit, unter der sie die Bewerbungsunterlagen der Schüler abrufen kann, denn ich habe die Bewerbungen online gestellt, so dass die Sache schneller geht und Ginger nicht erst langwierig auf den Luftpostbrief warten muss, der auch im 21. Jahrhundert immer noch etwa eine Woche braucht, bis er seinen Empfänger jenseits des Atlantiks erreicht, vor allem, wenn er ein Großbrief ist. Dennoch schicke ich die Bewerbungen auch in Papierform, damit Ginger nicht alles einzeln ausdrucken muss, um die Unterlagen den Gasteltern in spe, die sich anhand der Bewerbungsunterlagen ihren Gast aussuchen, zeigen zu können.

Nach der Beantwortung dieser und einiger andere Mails ist es Zeit, wieder nach oben ins Bad zu gehen und mich für den Tag „salonfähig“ zu machen. Als ich um etwa sechs Uhr fertig bin, steht auch meine Frau auf. Ich gehe nach unten, setze Teewasser auf, nehme Moritz mit und gehe zur Bäckerei Schumacher, die nur etwa drei Gehminuten von uns entfernt liegt, um dort die Brötchen fürs Frühstück zu holen. Dann frühstücken meine Frau Christine und ich gemeinsam. Dabei werfen wir den einen oder anderen Blick in „Die Glocke“, unsere Tageszeitung und besprechen das politische Tagesgeschehen. Aber auch die Pläne der Familie für den heutigen Tag und die nahe Zukunft werden besprochen.

Um viertel vor sieben kommt unsere Tochter Helen in die Küche und leistet uns beim Frühstück Gesellschaft. Die Gesprächsthemen verschieben sich zu 100% in Richtung auf Helens Interessen. Eine Dreizehnjährige hat einen sehr großen Mitteilungsdrang, so dass sich unser Gesprächsanteil drastisch reduziert. Um sieben Uhr verabschiede ich mich von Frau, Tochter (Die beiden Jungs stehen immer „auf den letzten Drücker“ auf und sind noch nicht unten.) und Hund und gehe zum Carport, unter dem mein „Renner“ wartet.

Ja, dieses Auto ist meine große Leidenschaft: ein 1991er Miata [2], rot mit schwarzem Cabrioverdeck, schwarzen Lederpolstern und einem getunten (ca. 140 PS) 1,6-Liter-Motor mit zwei oben liegenden Nockenwellen (genau wie der Alfa-Spider-Motor, nur sehr viel zuverlässiger). Ich steige ein, was mir trotz 183 cm und deutlich über 100 Kilo erstaunlich gut gelingt, lege meine Collegemappe auf den Beifahrersitz, schnalle mich an und starte den Motor. Er springt natürlich sofort an und brabbelt trotz Kaltstart ruhig vor sich hin. Ich fahre vom Hof und vor zur Hauptstraße, dann nach links in Richtung Verl. Wenn der Motor kalt ist, achte ich immer peinlich darauf, ihn nicht über 4000 Umdrehungen pro Minute zu beschleunigen, denn das tut man einer Maschine, die schon fast 190.000 km gelaufen hat, nicht an… und besonders keinem leistungsgesteigerten Sportmotor wie dem meinen. Er hätte diese hohe Laufleistung sicher niemals erreicht, wenn ich diese Vorsichtsmaßnahmen nicht immer eingehalten hätte.

Schon kurz vor Verl spüre ich deutlich die Heizung und auch die Sitzheizung, die ich nachträglich habe einbauen lassen, zeigt schon Wirkung. Mitten im Ort biege ich an der Hauptampel rechts ab in Richtung Friedrichsdorf. Jetzt liegen über 20 Kilometer ohne Abbiegen vor mir. Der Motor ist warm und ich „lasse gehen“, beschleunige aus dem Dorf heraus im dritten Gang bis auf 6500 Umdrehungen, schalte das knackige Roadstergetriebe blitzschnell in den vierten und überhole die erste morgendliche „Schlafmütze“. Die Drehzahlorgie geht weiter, die Nadel des Drehzahlmessers geht schon wieder bis in den roten Bereich hinein, was man auch ohne hinzuschauen deutlich am heiseren Bellen des Motors erraten kann. Dann ist der fünfte Gang drin und die Tachonadel klettert weit jenseits der erlaubten 100 Kilometer pro Stunde. Doch dann, nach zwei weiteren Überholmanövern, muss ich die rasante Fahrt unterbrechen, denn es kommt eine beliebte Blitzkastenstelle. Ich lasse den nur 950 Kilogramm schweren Sportwagen ausrollen, so dass ich an der Blitzstelle lediglich noch 78 oder 79 drauf habe, also die erlaubten 70 plus 10 Prozent plus Toleranz. Es klappt. Die Leute vom Kreis Gütersloh sind auch mal wieder früh aufgestanden und haben tatsächlich ihre Radarfalle an der von mir vermuteten Stelle aufgebaut, aber ich sehe den mir gut bekannten und sehr ungeliebten roten Blitz an diesem Tage nicht, was meine Stimmung deutlich steigen lässt.

Ich rufe sofort bei Radio Gütersloh an und melde die Blitze. Ich petze grundsätzlich jede Radarfalle, die ich sehe, an meinen Lieblingssender, denn ich betrachte die Positionen der Radarwagen und der berühmten „Mülleimer“ (als solche getarnte mobile Radarkästen) als reine Beutelschneiderei beim Autofahrer, da sie kaum jemals an besonders unfallträchtigen, sondern fast immer nur an besonders einträglichen Stellen positioniert sind. Der Kreis nimmt Jahr für Jahr Millionen damit ein. Die freundliche Stimme von Tanina Rottmann, die die Frühmoderation macht, begrüßt mich am Telefon und ich melde „Blitzekiste auf der Bielefelder Straße in Verl Fahrtrichtung Friedrichsdorf noch vor der Autobahn am Anfang der Tempo-70-Zone“. Tanina bedankt sich und erkundigt sich routinemäßig nach meinem Vornamen. Ich nenne ihn und sie erinnert sich, mich schon öfter an der Strippe gehabt zu haben.

Die Fahrt geht weiter und schon kurz hinter Ummeln kommt meine Radarmeldung durchs Radio, sehr gut! Nach einer eher durchschnittlichen Zeit von 40 Minuten erreiche ich das Gymnasium in Werther, parke den Wagen und gehe hinein. Ein ganz normaler Arbeitstag beginnt. Die einzige Ausnahme an diesem Tage: Ich erinnere die Schüler(innen) der Klasse 10a, bei denen ich Klassenleiter bin, daran, nicht zu vergessen, dass heute der 18. November ist und wir beschlossen hatten, für jede(n) Schüler(in) einen Brief [3] einzureichen. Sie versprechen, sich heute Notizen zu machen, um einen vernünftigen und fundierten Brief schreiben zu können.

Der Freitag ist ein bei mir beliebter Tag, denn an diesem Tag gebe ich vier Stunden Informatik, mein Lieblingsfach. Ich unterrichte die 9. und die 10. Klasse im so genannten Differenzierungsbereich in Informatik. Der Arbeitstag verläuft wie immer recht angenehm. Die Schülerinnen und Schüler des Evangelischen Gymnasiums Werther sind ein wenig anders als die Kinder und Jugendlichen an den meisten anderen Gymnasien. Nein, eigentlich ist das falsch. Nicht die Schüler(innen) sind anders, sondern die Atmosphäre an unserer Schule, das Schulklima sozusagen. Bei uns herrscht ein sehr familiärer Umgangston, man geht nett und freundlich miteinander um, sowohl die Schüler(innen) untereinander, als auch Lehrer(innen) mit Schüler(innen) und umgekehrt. Sicher, wir sind eine relativ kleine Schule mit etwa 650 Schüler(inne)n, was diese Andersartigkeit besonders fördert, aber dennoch herrscht bei uns ein gewisser, nur sehr schwer zu erklärender „Schulgeist“, den es an den meisten Schulen heutzutage kaum mehr gibt.

Nach der sechsten Stunde – zum Glück habe ich am Freitag keinen Nachmittagsunterricht – verlasse ich die Schule, setze mich in meinen „roten Renner“ und fahre nach Hause. Meine Frau und die Kinder begrüßen mich. Sie sitzen noch am Mittagstisch, doch der wird sehr schnell aufgehoben, so dass ich mein Mittagessen allein einnehme. Meine Frau leistet mir Gesellschaft, aber die Kinder entschwinden recht flott: Jochen, der Älteste, fährt in die Firma, denn er arbeitet neben seinem Informatikstudium schon seit Jahren in Teilzeit in einer Softwarefirma; Christian, der Mittlere, muss gleich wieder weg zum Sportunterricht in der Schule; Helen, die Jüngste, geht nach oben auf ihr Zimmer, um sich ihren Ratten zu widmen, denn diese beiden silbergrauen Nager spielen zurzeit eine große Rolle in ihrem Leben.

Nur Moritz bleibt bei meiner Frau und mir, er streckt sich genüsslich in seinem Korb aus. Eigentlich sollte er den Nachmittag draußen im Garten verbringen, aber da er in der letzten Zeit mehrfach eine Blasenentzündung hatte, haben wir beschlossen, ihn im Winter nicht mehr draußen zu lassen, sondern gleich nach der Fütterung, die jeden Tag pünktlich um 11:30 Uhr stattfindet, bald wieder ins Haus zu holen.

Während ich mein italienisches Nudelgericht esse, sprechen Christine und ich über alles Mögliche. Als ich fertig bin, räumt sie den Tisch ab und ich mache uns beiden einen Kaffee, den wir gemeinsam trinken, wobei wir unser Gespräch fortsetzen. Schließlich gehe ich in die Garage und hole Holz, um ein oder zwei Scheite in den Kamin zu legen, damit das Wohnzimmer schön warm bleibt. Seitdem wir im Sommer den Kamin einbauen ließen, heizen wir in Wohn- und Esszimmer nur noch damit, die Heizung bleibt dort aus.

Schließlich machen wir eine, wie wir es nennen, „Hunderunde“ mit dem Fahrrad. Ich nehme Moritz an die Leine und lasse ihn neben dem Rad hertraben. Wir fahren ganz gemächlich, damit der Hund auch gut mitkommt und nicht in Galopp verfällt, denn das soll er nicht. Nur beim Traben werden seine Muskeln und die Ausdauer trainiert. Die Runde führt uns rund um Kaunitz und ist etwa 5 Kilometer lang. Unterwegs kehren wir bei meiner Mutter, die seit einigen Jahren auch hier im Dorf wohnt, ein und trinken einen Cappuccino. Dazu gibt es schon die ersten Weihnachtsplätzchen, die soeben frisch gebacken wurden. Wir reden über den neuesten „Dorfklatsch“, denn meine Mutter ist sehr engagiert in den verschiedenen Seniorenrunden vertreten. Nach dem Tode meines Vaters und meiner Oma war meine Mutter lange alleine in Solingen zurückgeblieben. Sie wollte sich damals nicht von ihrer Heimat trennen, verbrachte aber dennoch lange Wochen bei uns „auf Besuch“. Nach vielem Zureden war es dann endlich soweit. Ich konnte das Haus in Solingen (Baujahr 1959 und reparaturbedürftig) verkaufen und mit dem erzielten Preis hier in Kaunitz genau 500 Meter von unserem Haus entfernt ein nagelneues Einfamilienhaus mit über 150 Quadratmetern Wohnfläche erwerben.

Meine Mutter sagt oft, wie richtig dieser Schritt war, denn sie hat sich hier wunderbar eingelebt und ist eigentlich nur noch selten zu Hause anzutreffen. Sie ist 81 Jahre alt, aber das merkt man ihr nicht an. Mit einer Dame, die zwei Häuser weiter unten an der Straße wohnt, verbindet sie seit ihrem Zuzug eine innige Freundschaft und die beiden sind in Handarbeitsrunde, Altenkreis, Stickzirkel und was weiß ich nicht noch alles aktiv dabei. Außerdem betreuen sie den Eine-Welt-Laden unserer Kirchengemeinde an einem Nachmittag in der Woche.

Nach dem kurzen Zwischenstopp bei meiner Mutter radeln wir weiter nach Hause und setzen uns an den Kamin. Christine handarbeitet, sie bastelt im Moment intensiv Perlenschmuck. Ich lese zunächst, doch dann muss ich anfangen, das harte Brot des Lehrers zu essen: Den Rest des Tages und des Abends verbringe ich mit Korrekturen von Klausuren, Französisch Klassen 12 und 13. Wenn das nicht wäre, könnte man mein Leben in diesem idyllischen Dorf Kaunitz durchaus als angenehm bezeichnen…

Mit freundlichen Grüßen

Frithjof Meißner

 

 

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[1] Wir arbeiten zusammen mit Schulen aus sechs anderen europäischen Nationen an dem Comeniusprojekt „Fliegen – eine europäische Geschichte“; genauer gesagt bin ich der Koordinator des ganzen Projekts.

[2] „Miata“ ist die Insiderbezeichnung für den Mazda MX-5. In den USA, wo dieses Modell zuerst erschien, hieß und heißt es offiziell „Miata“. Bei meinem Modell handelt es sich um einen der ersten, die in Deutschland verkauft wurden.

[3] In der Anlage zu meinem Schreiben befinden sich 32 Briefe, die die Schüler(innen) meiner Klasse angefertigt haben. Ich habe sie nicht gelesen und kenne daher ihren Inhalt nicht, hoffe aber, dass sie mit dem nötigen Ernst und Respekt an diese Aufgabe heran gegangen sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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