Als meine Tochter kürzlich nach einem Vortrag, den Hauptkommissarin Ellen Haase, Expertin für Fahrradsicherheit bei der Kreispolizei Gütersloh, im Gymnasium Verl gehalten hatte, aus der Schule heim kam, berichtete sie mir ganz aufgeregt davon und meinte, ich müsse mir unbedingt eine Seite, die zu diesem Thema im Internet stehe, anschauen. Ich muss sagen, auch als Erwachsener war ich beeindruckt von den Fakten, die ich dort erfuhr, und meine, dass ich Ihnen diese Informationen nicht vorenthalten sollte. Lesen Sie also auf dieser Seite die Wiedergabe des besagten WDR-Beitrags zum Thema Fahrradsicherheit aus dem Jahre 2004, den ich hier mit freundlicher Genehmigung des WDR veröffentliche:

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Pflegefall nach Radunfall

Ein Kind liegt in einer Blutlache, daneben ein Fahrrad. Mit dieser drastischen Darstellung wirbt die ZNS Stiftung zur Zeit bundesweit für Fahrradhelme. Die Idee stammt von Ellen Haase, Polizistin aus Gütersloh. Sie sammelt seit Jahren Informationen über Unfälle, bei denen die Opfer keinen Helm trugen. Erstmals konnte Sie jetzt die Mutter einer jungen Frau überzeugen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Vor vier Jahren stürzte ihre damals 16-Jährige Tochter mit dem Fahrrad so schwer, dass sie seitdem ein Pflegefall ist.

Koma nach Radunfall
Sie kann nicht mehr sprechen, nicht mehr essen, sich nicht mehr bewegen. Und Sie ist blind. Seit vier Jahren liegt Beate Bosse im Wachkoma. Ihre Mutter wird den 10. Juni 2000 nie mehr vergessen. Beate war nur mal kurz mit dem Fahrrad zum 400 Meter entfernten Supermarkt unterwegs - ohne Helm. Auf dem Rückweg hatte sie einen Fahrradunfall und stürzte. Dabei erlitt sie so schwere Kopfverletzungen, dass sie in ein Koma fiel, aus dem sie bis heute nicht erwachte. Durch die Hirnblutungen erlitt sie irreparable Schädigungen.

Keine Aussicht auf Genesung
Seit ihrem schweren Unfall wird Beate im Wittekindshof, einer Behinderteneinrichtung in Bad Oeynhausen, betreut. Sooft sie kann, ist Brigitte Bosse bei Ihrer Tochter. Sie weiß, dass Beates Zustand sich nicht bessern wird, und ist schon froh, wenn sie zumindest einen stabilen Zustand zeigt.

Vor dem Unfall
Vor dem Unfall war Beate ein lebenslustiges, intelligentes Mädchen. Sie traf sich mit ihren Freundinnen, ging oft ins Kino und las viele Bücher, fuhr in den Urlaub und vergnügte sich auf Partys.

Der heutige Alltag
Heute sieht ihr Alltag anders aus: Sie macht Krankengymnastik, damit sich die Muskulatur nicht vollständig zurückbildet. Der Unfall von Beate hat das Leben ihrer ganzen Familie bis heute beeinflusst. Auch wenn die Tatsache, ein verunfalltes Kind in einem Pflegeheim zu haben, mittlerweile eine Normalität geworden ist, ist das Leben der Familie nicht normal.

Besonders tragisch in diesem Fall: Normalerweise wurde das Thema Sicherheit bei der Familie Bosse groß geschrieben.


Weiterführende Links:

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Video Sendebeitrag vom 18.08.04 (6'11)   [RealPlayer erforderlich! Kostenloser Download hier.]

"Fahrradhelm - die Lebensversicherung des Radfahrers" - Polizei-Ratgeber von Ellen Haase, Expertin für Fahrradsicherheit der Kreispolizei Gütersloh:
http://www.frithjof.de/helmhilft.pdf

"Radhelmpflichten - Fakten, Zahlen und Konsequenzen" - Wissenschaftliche Untersuchung von Dorothy L. Robinson, Bicycle Federation of Australia, in der Übersetzung durch Ingo Keck, Information des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub), Landesverband Baden-Württemberg:
http://www.adfc-bw.de/texte/helm/helm.htm

ZNS - Hannelore Kohl Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems:
http://www.kuratorium-zns.de/

Wittekindshof - Diakonische Stiftung für Menschen mit Behinderungen:
http://www.wittekindshof.de/

 

Frithjof Meißner, Kaunitz, Juni 2005