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Hier die Kopie eines Textes von Christa Cloppenburg, der mich nicht nur wegen des interessanten und zutreffenden Inhalts, sondern auch wegen des erfrischenden Stils und der gelungenen Rhetorik begeistert hat. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass die Rechte an diesem Text selbstverständlich beim WDR liegen.



Der Tag: Standpunkt
Dienstag, 06. Januar 2004

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Eliteuniversitäten - Ein ernsthafter Vorschlag zur Behebung der Bildungsmisere?

von Christa Cloppenburg

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Es ist eher ein Stück aus dem Tollhaus als eine tolle Idee: ausgerechnet die SPD entdeckt Eliten. Und weil es ihrer Meinung nach davon zu wenig gibt, will sie Eliteuniversitäten schaffen. Vorbild Amerika, ausgerechnet. 

Wenn sich jemand - aus ideologischen Gründen - schon beim Wort Eliten geekelt hat, dann doch die SPD. Bekanntlich sind ja alle Menschen gleich. Dass es unterschiedliche und im Einzelfall sogar gar keine Begabungen gibt, kommt in der gedanklichen Grundausstattung eines aufrechten Sozialdemokraten eigentlich nicht vor. 

Und jetzt: das Wasser steht uns bis zum Hals, wir brauchen ein Thema, das Furore macht, also propagieren wir mal eben, dass die Bundesregierung Elitehochschulen will. Wie, wo, wie viele, mit welchem Geld - bitte keine Details, Hauptsache, wir haben diese schicke Idee gehabt und wenn die Partei dem nicht so recht folgen will, könnte der Kanzler ja vielleicht nach bewährter Manier, ... na ja nicht gleich mit Rücktritt, aber immerhin doch drohen. 

Doch so weit ist es glücklicherweise noch nicht, vorher sollten die SPD-Gewaltigen aber mal einen Blick ins Grundgesetz werfen, da lernt man, dass der Bund selbst beim besten Willen für Hochschulen nur sehr begrenzt zuständig ist. Er gibt Geld für den Hochschulbau, das Ergebnis kann man sich an vielen Hochschulen ansehen: da regnet es schon mal durchs Dach. Er macht das Hochschulrahmengesetz und schreibt schon mal Blödsinn hinein, wie z.B. das Verbot von Studiengebühren. 

Und jetzt dieser populistische Vorstoß: wir entdecken Eliten. So etwas liest sich natürlich wunderbar in einer Sonntagszeitung, ein bisschen professioneller wäre es aber gewesen, diese Idee mit den Ländern zu besprechen, eine breite Diskussion anzuregen, nicht wie Kai aus der Kiste zu springen und alle zu erschrecken. 

Und dann dieser naive Anspruch, so etwas wie Amerikas Traditionshochschulen Harvard oder Stanford kopieren zu wollen. Die besitzen riesige eigene Vermögen, erheben hohe Gebühren, bekommen gigantische Summen als Spenden und viel Geld vom Staat. Und vor allem, sie werden vom Staat nicht gegängelt, sie sind frei und für sich selber verantwortlich. So ein Wort wie Hochschulrahmengesetz könnte ein amerikanischer Professor gar nicht aussprechen, er wollte es aber auch nicht können. So viel zum amerikanischen Traum der SPD. 

Sehr viel plumper hätte man die Sache wirklich nicht anfangen können, das Ganze wirkt mehr wie ein Gag, Hauptsache, wir haben mal darüber geredet. 


Zum Anhören:


© Westdeutscher Rundfunk 2004

 

 

 

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